Montag, 6. Dezember 2010

Review: Call Of Duty - Black Ops




Plattform: PC, XBox 360, PS3, Nintendo Wii (, Nintendo DS)
Getestet auf: XBox 360, PC
Releasedatum: bereits erschienen
Genre: Taktik-Shooter
Publisher, Entwickler: Activision, Treyarch


Mit „Black Ops“ geht das berühmte „Call of Duty“-Franchise, rund um Entwickler Treyarch und Publisher Activision, in eine weitere Runde. Und anscheinend wurde es von den wartenden Fans mit offenen Armen empfangen, denn innerhalb der ersten 24 Stunden nach Release wurden knapp 6 Millionen Kopien verkauft – Rekord. Offiziell ist es der siebte Teil der Serie, inoffiziell gibt’s jedoch ein paar Veröffentlichungen mehr, die ebenfalls das berühmte Branding verpasst bekommen haben. Vorher erschienen „Call of Duty“ – „Call of Duty: United Offensive“ – „Call of Duty: Finest Hour” – „Call of Duty 2” – „Call of Duty 2: Big Red One” – „Call of Duty 3” – „Call of Duty: Roads to Victory” – „Call of Duty 4: Modern Warfare” – „Call of Duty: World at War” und das berühmt-berüchtigte, gefeierte und ebenfalls bereits im Vorfeld kritisierte und gehypte „Call of Duty: Modern Warfare 2”. Doch kann  „Black Ops” dem Hype gerecht werden?
Wir befinden uns im kalten Krieg. Unser Haupt-Charakter Alex Mason wird mittels Stromschlägen gefoltert und soll seinem sadistischen Gegenüber von einer biologischen Waffe der Sowjets berichten. Das Nervengas „Nova-6“. Nach und nach erleben wir so in Flashbacks, was die spielbaren Charaktere Mason und CIA-Agent Jason Hudson in ihren Missionen, in Orten wie Vietnam oder auf Kuba, erlebt haben.
Ohne spoilern zu wollen, ist dies die grobe Hintergrundstory des Spiels. Und hier tut sich direkt die erste Schwachstelle auf – Wo „Modern Warfare 2“ gerade in dieser Beziehung brilliert, den Spieler in die hinterhältige Kriegswelt zieht und nicht mehr heraus lässt, kommt man bei „Black Ops“ bei Weitem nicht so schnell in die Story. Die Geschichte durch Flashbacks nachzuerzählen ist ein guter Ansatz, aber eben nur ein Ansatz. Durch die, oft überflüssigen, Zwischensequenzen reißt das Game den Spieler aus der Traumwelt, ehe er sich richtig in ihr zurecht finden kann. So kommt keine spannende Atmosphäre zustande und so ist es nahezu unmöglich eine Verbindung zu den Figuren aufzubauen. Bei „Modern Warfare 2“ war man nahezu entsetzt, wenn man hintergangen wird, „Black Ops“ hingegen kitzelt ein leichtes „Who cares?“-Gefühl aus dem Spieler heraus. Die Story an sich hat Potential, die Art die Story zu erzählen erstickt dieses Potential jedoch sofort im Keim.
Grafik und Detailverliebtheit waren schon immer Markenzeichen der „Call of Duty“-Reihe. So ist es auch dieses Mal. Hochauflösende Texturen ranken sich um High-Poly Meshes, Umgebung und Gegner lassen sich in ihre Einzelteile zerschießen. Gerade in Cutscenes, wenn Kugeln die Schädeldecken der manchmal arg dummen Gegner zerfetzen, erkennt man eine leicht verstörende Liebe zum Detail. Doch manchmal sind die Entwickler über ihr Ziel hinaus geschossen, wenn Blut durch einen Beinschuss in einer meterhohen Fontäne durch die Luft schießt. Heiligt der Wow-Effekt alle Gestaltungsmittel? Zum Großteil sind gerade Verwundungen so extrem dargestellt, dass sie die kleine Schwelle zum Grotesken übertreten und den Spieler mit dem Gefühl zurück lassen, was er nicht haben soll. Das Gefühl, dass er ein Spiel spielt. Da gerade „Call of Duty“ in Sachen Realismus immer ganz oben mitspielen will, ist es durchaus überraschend, dass dem Hersteller solche Patzer passieren. In Verbindung mit dem schlechten Erzählstil, wirkt sich das äußerst negativ aufs Spielerlebnis aus.
Viele alt-bekannte Multiplayer-Modi wurden in den neuen „Call of Duty“ Teil portiert, dabei sticht einer ganz besonders heraus. Der durchaus beliebte Zombie-Modus ist zurück! Nachdem dieser schon bei „World at War“ große Beliebtheit erlangen konnte, haben sich die Entwickler dazu entschlossen, ein weiteres Mal auf die Untoten zu setzen. Das Ganze nennt sich „Überlebenskampf“. Der Spielmodus kann online im Vier-Spieler-Modus, offline im Zwei-Spieler-Splitscreen oder alleine gespielt werden. Der Modus ist bekannt, man verschanzt sich, diesmal im Pentagon und kämpft gegen immer stärker werdende Zombiewellen. Nachdem man die Single-Player-Kampagne durchgespielt hat, kann man in die Rollen von Richard Nixon, Robert McNamara, Fidel Castro und John F Kennedy schlüpfen.
Wie bei vielen anderen Titeln auch, empfiehlt es sich ebenfalls hier die englische Version zu spielen. Neben den, offenbar komplett aus „Modern Warfare 2“ übernommenen, Waffen-Soundeffekten, dem martialischen aber passenden Soundtrack und den etwas übertriebenen Stöhnen der wandelnden Zielscheiben, bieten vor allem die Synchronsprecher einen echten Ohrenschmaus. Die bekanntesten Voice Actors sind Gary Oldman, Ed Harris, Ice Cube und Sam Worthington. Die liefern einen echt guten Job ab und verleihen den, sonst eher gesichtslosen Protagonisten, Seele.
Doch auch ein alter Fehler hat sich wieder eingeschlichen. Steht man in der einen Ecke noch im Kugelhagel, in einer apokalyptischen Situation, kann man 2 Meter weiter hinten seine Ruhe finden – denn von Gegnern und Geräuschen fehlt hier jede Spur. Wie die Verantwortlichen für die Vertonung sowas absegnen können, bleibt unklar, vor allem da es in Taktik-Shootern Sinn der Sache ist, auch mal in die Deckung zu gehen und eventuell Häuser zu durchsuchen.
Besinnen wir uns mal aufs alt-bekannte und gefürchtete Thema Killerspiele. „Black Ops“ schlägt der gesamten Branche ins Gesicht. Jedem Publisher, jedem Entwickler, jedem Gamer und letztendlich allen Leuten, denen Videospiele am Herzen liegen. Schon mit „Modern Warfare 2“ hat das Franchise für einige Furore gesorgt, die berühmte Flughafen-Mission hat nahezu die gesamte Gameswelt entsetzt. Im neuen Teil der Reihe wurde noch eine Schippe drauf gelegt. Natürlich sind die Diskussionen über Killerspiele weit her geholt, lächerlich und unnötig. Aber genauso unnötig sind die immer wiederkehrenden, übertriebenen Gewaltszenen. Und damit ist nicht die Tötung an sich gemeint, sondern die Art wie sie dargestellt wird. Hat man sich beim letzten Teil noch vor dem leeren Blick des Mannes gegruselt, dem man von hinten die Kehle durchgeschnitten hat, rammt man nun einem schlafenden Asiaten das Messer in den Hals, mit viel spritzendem Blut und einer klaffenden Wunde. Überhaupt hat man selten ein Spiel gesehen, wo so viele aufgerissene Kehlen zu sehen waren. Und damit nicht genug, es werden Leute mit Spitzhacken aufgespießt, Fidel Castros Kopf zerplatzt wegen einem Kopfschuss. Immer wieder offene Kehlen. Wie kann man eine Situation ins Spiel einbauen, wo aus Vogelperspektive Einheiten gesteuert werden können, wenn sich dieselbe Situation kurz vorher im wahren Leben abgespielt hat? Scheinbar haben die Publisher mittlerweile ihr Marketingkonzept auf übermäßige Gewalt ausgelegt. Natürlich gehört auch Gewalt in die Videospielwelt, besonders in die des Egoshooter-Genres. Und das ist auch gut so. Doch muss Gewalt Hauptbestandteil eines Spiels sein? Und warum riskiert ein Publisher, dass die eigene Branche eventuell wieder kritisch beäugt wird? Herausgeber wie dieser Herausgeber und übermäßige Gewaltspiele wie dieses Gewaltspiel sind der Grund, warum Videospiele niemals das Image des Feindbildes verlieren – und blockieren somit die Weiterentwicklung des Genres.
Sehen wir von diesen Überlegungen ab und beziehen uns wieder aufs Spiel. Es ist „Call of Duty“. Mit seiner martialischen, rudimentären Art lässt es die Genre-Kontrahenten vor Ehrfurcht erzittern. Doch leider bietet „Black Ops“ auch keine Innovationen, die Entwickler klammern sich an das Erfolgsrezept der letzten Jahre. Neues musste diesmal auch nicht her, denn der Hype aus „Modern Warfare 2“-Zeiten hat den Einstieg gerettet. Da wir jedoch seit 2003 mindestens jährlich einen CoD-Teil vorgesetzt bekommen, dürfen wir auf nächstes Jahr hoffen. „Black Ops“ ist gut und was die Kampagne nicht schafft, der Multiplayer wird’s retten. Mehr als gut, ist „Black Ops“ jedoch auch nicht. Und langsam wird es Zeit für einen Knaller, denn Mittelmäßigkeit beherrschen auch Kontrahenten wie „Medal of Honor“, die genau das dieses Jahr bewiesen haben.

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